FSJ an der Seebergschule

23. Juni 2017    Allgemein, Interview    Kommentieren

Saira berichtet über Ihr FSJ an der Seebergschule:

Nun neigt sich mein FSJ langsam dem Ende zu und es gibt über so vieles zu berichten. Wo ich mein FSJ gemacht habe? Auf der Seeberg Schule in Bensheim, der einzigen Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung des Kreises Bergstraße. Um mehr Hintergrundwissen über meinen Einsatzort zu vermitteln, werde ich ein wenig über die Schule selbst erzählen.

Ziel der Schule ist es, Kinder mit verschiedenen Behinderungen, sei es ADHS, Down Syndrom, Autismus oder andere Behinderungen, in den Alltag der Gesellschaft zu integrieren. Dies wird geübt zum Beispiel durch Kochen, Werken oder auch tägliches Spülen von Geschirr nach dem Essen oder auch putzen von Schränken.

Auf jedes Kind wird individuell eingegangen, das heißt für jedes Kind wird ein individueller Stundenplan für ein halbes Schuljahr erstellt, um so Ziele und Lerneffekte zu notieren oder auch andere Sachen wie Stärken und Schwächen.

Allgemein gibt es drei Klassenstufen: Die Grundstufe, Mittelstufe und die Haupt-und Berufsorientierungsstufe (HBO). In einer Klasse werden maximal acht SchülerInnen unterrichtet mit mindestens 2 Förderschullehrkräften, Sozialpädagoginnen oder auch ErzieherInnen.

Ebenfalls existiert in Mörlenbach die Außenstelle Seeberg Schule, das heißt beide Schulen haben das gleiche Leitziel und haben die gleichen Förderschwerpunkte.

Um nun einen Einblick in mein FSJ Jahr zu geben, fange ich von ganz vorne an.

Ich bin über eine Freundin auf die Seeberg Schule gekommen und habe mich schon direkt im Januar für eine Schulbegleitung beim DRK Freiwilligendienste beworben und wurde auch zügig zu einem persönlichen Gespräch in die Schule eingeladen. Dort wurden mirFSJ Einsätze im Bereich der Schulbegleitung vorgestellt und ich entschied mich für ein heute 14 jähriges Mädchen, welche im Rollstuhl sitzt und sowohl geistig als auch körperlich behindert ist. Mir wurde zugetragen, mit ihr täglich zu laufen, ich wurde in das Wickeln eingeführt, wie man ihr das Essen verabreicht oder wie ich am besten mit ihr Laufen kann, da sie zu dem Beginn meines FSJ noch ein wenig wackelig auf den Beinen war.

Es ist bei ihr schwer zu deuten, was sie gerade braucht oder haben möchte, da sie nicht sprechen kann und auch keine Reaktionen zeigt, um wenigstens einen Anhaltspunkt zu bekommen und ihr zu helfen. Deshalb musste ich erst mal alles ausprobieren um dann zu sehen, wo sie am glücklichsten mit der Situation ist und sie sich auch wohlfühlt. Hierbei erhalte ich allerdings Unterstützung von einer Förderlehrerin.

Eines der wichtigen Dinge, die du im FSJ haben solltest, ist den Kontakt zu den Eltern. Egal ob es einmal in der Woche oder im Monat ist, die Nummer für Notfälle oder Fragen ist immer zu haben.

Mein Tag fängt damit an, dass ich um acht Uhr in der Schule bin, dort Aufgaben mit den anderen FSJler erledige und um 8:45 Uhr mein Kind am Bus abhole, da (fast) alle Kinder mit PKW Bussen gebracht und zurück gefahren werden. Daraufhin fahre ich mit dem Kind in die Klasse und bereite ihre Flasche vor. Das beinhaltet einen und einen halben Löffel Fencheltee Pulver mit stillem Wasser.

Während andere Kinder in verschiedenen Deutsch und Mathekursen ihre Rechenaufgaben lernen und rechnen, gehe ich mit meinem Kind draußen auf dem Flur laufen oder schiebe sie auf vier Rollbrettern und auf einer Matratze quer durch die Schule, wobei sie selbst sehr viel Spaß dabei hat. Was ich auch gerne mit ihr mache, sind Handmassagen, eingecremt mit Nivea Creme, da sie alles mit den Händen tastet, fühlt und krabbelt und sie so eine Entspannung und Pause für die Hände genießen kann.

Dennoch gehört für mich auch die Aufgabe dazu sie zu motivieren, sei es zum Laufen oder essen, und ich muss abwarten, bis sie wieder freiwillig dazu bereit zu diesen Dingen ist. Das ist teilweise sehr herausfordernd, aber wenn es klappt, ist es ein tolles Erfolgserlebnis.

Ich habe ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Seeberg Schule absolviert, da ich gerne mit Kindern arbeite und es eine andere Perspektive ist, mit Kindern mit Behinderungen jeglicher Art zu arbeiten und meiner Meinung nach so seinen Horizont erweitert. Ich bin ein naturwissenschaftlich & sozial interessierter Mensch. Deshalb habe ich mich zuerst für ein FSJ entschieden und gehe nach meinem Jahr in eine naturwissenschaftliche Ausbildung.

Das Tolle an dem Einsatzbereich ist, dass ich nicht nur an deinem Kind gebunden bin, sondern auch Freiraum habe, mit anderen Kindern zu arbeiten (Bsp. sie in den Rechenaufgaben zu unterstützen oder beim Lesen im Deutschkurs). Dadurch lerne ich auch, mit verschiedenen Situationen umzugehenund sich Kinder mit beispielsweise ADHS Kind oder mit Behinderung entwickeln.

Für mich war das Jahr eine sehr schöne Erfahrung und hat mir verschiedene Berufsmöglichkeiten geboten, auf die ich nach der Ausbildung anstreben könnte.

Ich empfehle jedem das Freiwillige Jahr weiter.

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